Von Stephan Koof, Stellvertretender Vorsitzender des ZIA-Ausschusses Handel und
Leiter Expansion national, REWE Deutscher Supermarkt AG & Co. KGaA sowie Daniela Jacobsen, Projektassistenz Leitung Expansion, REWE Deutscher Supermarkt AG & Co. KGaA

Nahversorgung – einer der zentralen Punkte der öffentlichen Daseinsvorsorge. Auch wenn eine feste Definition von „Nähe“ in diesem Rahmen nicht existiert, wird häufig von einer Entfernung von 500 bis 1.000 Metern zur nächstgelegenen Versorgungseinrichtung gesprochen. In diesem Nahbereich soll die Versorgung mit allen Gütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs gesichert sein. Einen Schwerpunkt bildet hier der Lebensmitteleinzelhandel, neben bspw. ärztlicher Versorgung, Schulen oder auch anderer öffentlicher Einrichtungen. Gerade der Supermarkt oder Discounter in der Nachbarschaft hat neben seiner primären Funktion der Versorgung mit Lebensmitteln weitere soziale Aufgaben. Er dient als Treffpunkt zum sozialen Austausch und zur Kommunikation.

Dabei ist die wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung eine der großen Zukunftsaufgaben unserer Gesellschaft. Bedingt durch den demographischen Wandel und die zunehmende Urbanisierung, sind unterschiedliche Entwicklungsstränge im Einzelhandel zu beobachten. Die Angebotsstrukturen werden zunehmende an die Haushaltsgrößen vor Ort angepasst.

In den städtischen Bereichen wird sich der Trend der Zusammenschlüsse mit Gastronomie und Dienstleistungen fortsetzen. Ein Beispiel hierfür sind die Markthallen, an denen Anbieter verschiedenster Bereiche zusammenkommen und dem Kunden so ein umfangreiches Einzelhandels- und Dienstleistungsangebot zu ermöglichen. Für diese Form des gekoppelten Einzelhandels ist eine hohe Kundendichte notwendig, so dass die Markthallen ein Konzept für dicht besiedelte Bereiche in Innenstädten sind. In den Randbereichen der Ballungsgebiete ist ebenfalls die zunehmende Integration von Gastronomie ein großes Thema, was auf die Funktion des Lebensmittelmarktes als Austausch- und Kommunikationsort für die Einwohner im Umfeld zurückzuführen ist und immer stärker nachgefragt wird. Diese meist fahrkundenorientierten Standorte bekommen mit der Ergänzung durch den Abholservice einen neuen Dienstleistungsbereich, der sich immer stärker werdender Beliebtheit erfreut. Im Zuge der Digitalisierung und dem Trend zum Omnichannel findet diese Anforderung an einen Standort zunehmende Bedeutung. Für den Kunden hingegen bietet dieser Service vor allem Zeitersparnis und anders als beim reinen Lieferservice muss er nicht abrufbereit sein, um die Waren in Empfang nehmen zu können, sondern kann den Abholzeitpunkt in seinen Tagesablauf einbauen, ohne einen langen Besuch im Markt einplanen zu müssen. Insgesamt ist für den Einzelhandel der Serviceausbau ein bedeutender Aspekt. Neben Lieferdiensten oder dem Abholservice sind es beispielsweise Selfscanning-Kassen, Paketstationen oder Stromtankstellen, welche vermehrt an ausgewählten Standorten Einzug halten und dem Kunden neben dem regulären Einkauf Zeitersparnisse, einen angenehmeren Einkaufsaufenthalt und zusätzliche Leistungen bieten. Der Lieferservice kann vor allem in dicht besiedelten Bereichen wie Stadtzenten Teil der zukünftigen Lebensmittelversorgung werden, aber auch gerade für den ländlichen dünner besiedelten Raum. Hier ist aber aktuell häufig noch keine flächendeckende Lieferung frischer Lebensmittel möglich. Anders sieht es heute schon für den Bereich der Vorratsprodukte aus. Diese können in Kooperation mit Paketzustellern auch in entlegenere Gebiete geliefert werden. Für den ländlichen Raum sind ebenfalls spezielle Angebotsstrukturen notwendig, um eine Versorgung langfristig garantieren zu können. Anders als in den stärker besiedelten Ballungsgebieten setzt man hier auf Nahversorger, die mit ihrem Konzept auch in dünn besiedelten Gebieten wirtschaftlich agieren können und dem Kunden trotzdem ein modernes Marktkonzept mit umfangreifen Sortiment bieten. Eine weitere Alternative zur Sicherstellung der Nahversorgung im ländlichen Bereich sind Kooperationen an den Einzelhandelsstandorten mit Kommunen. Denkbar sind hier auch Zusammenschlüsse mit Ärzten, Ämtern oder Versammlungsräumen in Mehrfunktionshäusern.

Die Anforderungen an die Konzepte für die jeweiligen Standorttypen spiegeln sich auch in den unterschiedlichen Sortimenten innerhalb des Marktes wider. So kennzeichnet den Markt in einem Ballungsgebiet bspw. an einem Pendlerknotenpunkt ein stärker auf Convenience und Frische ausgerichtetes Sortiment, während der Fahrstandort auf der „Grünen Wiese“ stärker auf den Wocheneinkauf mit Bedientheke ausgelegt ist. Ein weiterer Trend in Bezug auf die Sortimentsgestaltung ist die stärkere Ausrichtung auf Bioprodukte und Regionalität. Dem Kunden ist die Qualität der Waren wichtig und nicht einzig der günstigste Preis.

Eins aber trifft auf alle Gebiete zu: Ziel muss es sein, die Versorgung nah am Kunden zu ermöglichen. Das Konzept des Supermarktes oder Discounters auf der „grünen Wiese“ ist schon lange nicht mehr die einzig sinnvolle Entwicklungsoption. Einzelhändler wie die REWE Group haben dies erkannt und Konzepte für jeden Standorttypus entwickelt, um egal ob dicht besiedelter Ballungsraum oder ländliche Region, eine nachhaltige Betreibung von Lebensmittelmärkten zu ermöglichen und so einen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung zu leisten.

Dieser Beitrag stammt aus der Publikation „Retail meets Logistics 2030“, die unter diesem LINK abrufbar ist.