Von Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss

Deutschlands Großstädte und Ballungsregionen sind angespannt. Dies ist schon lange kein Geheimnis mehr. In Berlin lebten nach einem Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zuletzt rund 3,5 Millionen Menschen, bis zum Jahr 2035 dürfte sich diese Zahl auf mehr als vier Millionen erhöhen. Ähnlich stark werde München wachsen: Die Experten des IW Köln sehen hier einen Zuwachs von 14 Prozent auf 1,66 Millionen Einwohner. Auch in Frankfurt steige die Bevölkerungszahl bis 2035 um elf Prozent – auf fast 814.000 Menschen.

Die Städte boomen und die Menschen spüren dies mehr und mehr im Alltag. Regelmäßig wird über die prekäre angespannte Lage der Wohnungsmärkte in den deutschen Groß- und Universitätsstädten berichtet. Nahezu täglich finden sich Berichte über starke Miet- und Kaufpreisentwicklungen, Verdrängungen von Mietern und Wohnungssuchenden sowie Massenbesichtigungen.

Gegen diese Wohnungsnot hilft es nicht, nur die ländlichen Räume zu stärken und dabei auf eine wiederkehrende Stadtflucht der Menschen zu hoffen. Nein, die Menschen wollen in die Städte ziehen, weil sie urban leben möchten. Sie möchten eine Stadt der kurzen Wege, in der sie wohnen, leben und arbeiten können. Also müssen wir in unseren Städten selbst die Voraussetzungen für weiteres Wachstum schaffen. Und dazu gehört nicht nur die Bekämpfung der Wohnungsknappheit, sondern insbesondere auch die Beseitigung des Mangels an Büroimmobilien. Denn der Zuzug wirkt sich nicht nur auf Wohnimmobilien aus. Weil jeder Neubewohner auch einen Platz zum Arbeiten und Versorgen braucht, stellt diese Entwicklung auch eine besondere Herausforderung für die Büromärkte dar.

Im letzten Jahr kam es laut Frühjahrsgutachten des ZIA bundesweit zu einem sehr starken Einbruch der Fertigstellungszahlen von Büroflächen. Lediglich 1,6 Millionen Quadratmeter Neubaufläche wurden insgesamt in den 127 Büromärkten in Deutschland fertiggestellt. Der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr belief sich auf minus 16,5 Prozent beziehungsweise auf ein Minus von rund 320.000 Quadratmetern. Besonders stark gingen die Neubaufertigstellungen in den A-Städten zurück und beliefen sich auf etwa 700.000 Quadratmeter. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies ein Minus von 27,1 Prozent. Der Leerstand ging somit in den 127 deutschen Büromarktstädten zum siebten Mal in Folge zurück. Nachdem die Standorte München (1,9 Prozent Leerstand, minus 80 Basispunkte im Jahresverlauf 2017), Stuttgart (2,1 Prozent Leerstand, minus 80 Basispunkte im Jahresverlauf 2017) und Berlin (2,4 Prozent Leerstand, minus 60 Basispunkte im Jahresverlauf 2017) faktisch vollvermietet sind, steuern die Büromärkte in Köln (4,0 Prozent Leerstand, minus 160 Basispunkte im Jahresverlauf 2017) und Hamburg (4,4 Prozent Leerstand, minus 90 Basispunkte im Jahresverlauf 2017) auf die 3,0 Prozent-Grenze für die Vollvermietung zu.

Dem Gesetzgeber sollte bewusst sein, dass Büroimmobilien einen ebenso bedeutenden – aus wirtschaftlicher Sicht sogar noch größeren – Anteil an unseren Städten und Gemeinden haben. Mangelt es an Büroflächen, mangelt es mittelfristig auch an Unternehmen, wenn diese keine geeigneten Flächen mehr finden können. Die wirtschaftliche Stärke der Städte steht hier auf dem Spiel, wenn gewichtige Gewerbesteuererträge plötzlich fehlen, weil das Unternehmen die Stadttore hinter sich gelassen hat.

Doch was sollte die Politik tun? Natürlich ist es richtig, die angespannten Wohnungsmärkte durch eine Wohnraumoffensive zu entlasten. Aber wir brauchen für sämtliche Nutzungsarten beschleunigte Baugenehmigungs- und Planungsverfahren sowie Grundstücksvergaben. Kommunen brauchen dazu neues Personal, das den zusätzlichen Aufwand stemmen kann. Eine vereinheitlichte Musterbauordnung könnte dabei helfen, der seriellen Bauweise einen deutlichen Schwung zu geben.

Gleichzeitig ist es aber auch richtig, den Fokus auf die Rahmenbedingungen für Büroimmobilien im Einzelnen und Wirtschaftsimmobilien allgemein zu erweitern. Es stimmt uns zuversichtlich, dass die aktuelle Koalition das Bauplanungsrecht und die immissionsschutzrechtlichen Vorschriften besser aufeinander abstimmen möchte. So werden Kommunen in die Lage zu versetzt, mit Nutzungskonflikten vor Ort richtig umzugehen und eine bessere Nutzungsmischung zu ermöglichen.

Dieser Artikel wurde auf dem Blog von Savills unter http://www.savills.de/blog/article/244977/germany-articles/wohnungsmangel-kommt-selten-allein.aspx erstveröffentlicht.