Von Dr. Birgit Memminger-Rieve, German Green Building Association (GGBA)

Der innerhalb von Unternehmen gebräuchliche Begriff des „Stakeholder Engagement“ wird auch in der Immobilienbranche immer häufiger genannt, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Unter „Stakeholder“ (auch Interessens- und Anspruchsgruppen) werden dabei alle Beteiligten zusammengefasst, die direkt oder indirekt in die jeweilige Immobilie oder ein Immobilienportfolio involviert sind, sprich Eigentümer (Fonds und Asset Management), Investoren, Mieter/Nutzer, Betreiber (Property und Facility Management), Dienstleister und Lieferanten und letztlich die Kommune bzw. das jeweilige Umfeld der Immobilie. All diese Stakeholder können in unterschiedlichem Maße Einfluss auf die Immobilie nehmen bzw. haben ein Interesse an deren Werterhalt und Funktionsfähigkeit. Das „Engagement“ kommt zum Tragen, wenn Aktivitäten der Stakeholder im Hinblick auf ein bestimmtes Ziel organisiert und gebündelt werden, um sich für dieses Ziel gemeinsam einzusetzen. Für jeden Stakeholder gilt das in unterschiedlichem Maße entweder verpflichtend oder freiwillig. Wichtig ist dabei die Kommunikation in Bezug auf das gemeinsame Ziel und die Möglichkeiten, dieses zu erreichen.

Nehmen wir das Beispiel der Energieeffizienz. Der Eigentümer legt über die Qualität von Hülle und Technik den Grundstein für ein energieeffizientes Gebäude, während der Gebäudebetreiber über Bedienung und Instandhaltung der Anlagen dafür sorgt, dass diese nicht mehr Energie verbrauchen als für deren bestimmungsgemäßen Gebrauch erforderlich ist. Dies kann beispielsweise im Leistungsbild des Gebäudebetreibers unter dem Begriff Energiemanagement festgeschrieben werden und auch beinhalten, dass Eigentümer und Betreiber sich regelmäßig über mögliche Energieeffizienz­maßnahmen austauschen. Die gebäudetechnischen Anlagen liefern für die Gebäudenutzer die Raumkonditionen, die für Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz erforderlich sind, wobei die Gebäudenutzer durch ihre Betriebs- und Geschäftsausstattung wie auch das Nutzerverhalten einen wesentlichen Einfluss auf den Gesamtenergieverbrauch haben. Regelungen zum sparsamen Umgang mit Energie sind beispielsweise in sog. Nachhaltigkeitsklauseln von Mietverträgen zu finden (Green Lease). Ein Schritt zu mehr Stakeholder Engagement kann bei diesem Beispiel sein, die Ergebnisse eines Energieaudits gemeinsam zu besprechen und sich über mögliche Energie­effizienzmaßnahmen auszutauschen und ggf. Anreize dafür zu schaffen, in diesem Sinne also zu versuchen, das Eigentümer-Nutzer-Dilemma aufzubrechen. Die Wirksamkeit umgesetzter Maßnahmen sollte sich dann in sinkenden Energieverbräuchen widerspiegeln. Hier ist dann ein regelmäßiges Feedbackgespräch zwischen den Beteiligten gefragt.

Ähnlich wie bei einem Managementsystem soll das „Stakeholder Engagement“ also kontinuierlich zu mehr Nachhaltigkeit in der Branche führen, indem die Stakeholder mit ihren Sichtweisen und Interessen zu den relevanten Themen systematisch und längerfristig einbezogen werden. In einem kommunikativen Prozess sind Ziele und Maßnahmen festzulegen und deren Wirksamkeit regelmäßig zu überprüfen.