Von Philipp Matzke, Referent Energie- und Klimaschutzpolitik, Gebäudetechnik beim ZIA

Nachhaltigkeit spielt für die Unternehmen der Immobilienwirtschaft eine zentrale Rolle. Die gebäudebezogene Energie- und Klimapolitik der Bundesregierung, als Teil der ökologischen Säule der Nachhaltigkeit und manifestiert in der Energiewende, stellt eine der größten Herausforderungen für Politik und Gesellschaft in Deutschland dar. Ihre Umsetzung, die im Koalitionsvertrag der Großen Koalition klar adressiert ist, wird mehrere Legislaturperioden in Anspruch nehmen, wenn nicht sogar mehrere Generationen.

Klimaschutz ist auch eines der wichtigsten Ziele der Immobilienwirtschaft. Zwischen 1990 und 2014 konnten die CO2-Emissionen im Gebäudesektor in Deutschland bereits von 209 auf 119 Millionen Tonnen pro Jahr reduziert werden. In keinem anderen Wirtschaftssektor waren die Einsparergebnisse in diesem Zeitraum so hoch.

Kaum eine andere Branche hat ein ähnlich großes Potenzial, zu einer nachhaltigen Entwicklung und zur Energiewende beizutragen, wie die Immobilienwirtschaft. Kaum eine andere Branche ist aber gleichzeitig auch so sehr auf die passenden politischen Rahmenbedingungen angewiesen, wenn es darum geht, die angespannten Immobilienmärkte zu entlasten. Daher ist die Abkehr der aktuellen Bundesregierung von einer weiteren Verschärfung der Energieeinsparverordnung auch nur folgerichtig. Denn durch eine weitere Verschärfung der Energieeinsparverordnung bei Wirtschaftsimmobilien lässt sich im Neubau keine nennenswerte zusätzliche CO2-Reduktion mehr erreichen. Bei Wohnimmobilien gelingt dies nur durch unverhältnismäßig hohe Kosten.

Insgesamt befinden sich im Koalitionsvertrag wichtige Signale für einen verbesserten Klimaschutz. Wir begrüßen insbesondere die neuen Instrumente für die Energiewende im Gebäudesektor. Dabei haben sich die Koalitionäre Technologieoffenheit, Wirtschaftlichkeit, Vereinfachung und Freiwilligkeit verständigt. Vor allem die Vereinfachung des Ordnungsrechts und die geplante Bilanzierung von CO2-Einsparungen auf Quartiersebene stimmen zuversichtlich. Dagegen ist die geplante steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung eine weitere wichtige Triebfeder, um die Ökobilanz unseres Sektors weiter zu verbessern. Eine solche Abschreibungsmöglichkeit schafft neue Potenziale für die energetische Ertüchtigung der Bestandsgebäude. Dort steckt das meiste Potenzial für die Energieeinsparung in unserem Bereich.

Es ist von elementarer Bedeutung, dass die Politik die Bedeutung von Klimaschutz, die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland und wirtschaftliche Perspektiven gleich gewichtet. Bei der Diskussion um die richtigen Maßnahmen kann nur der Grundsatz gelten: Nicht das schärfste Umweltrecht ist auf unserem Sektor das beste für ökologische Lösungen, sondern das intelligenteste unter Berücksichtigung von Wirtschaftlichkeit und Technologieoffenheit.

Andere CSR betreffende Themen werden ebenfalls im Koalitionsvertrag erwähnt, nicht immer jedoch in der Breite und Tiefe, in der es vielleicht wünschenswert wäre. Die angekündigte Enquete-Kommission „Nachhaltige Baulandmobilisierung und Bodenpolitik“ wird der ZIA in jedem Fall eng begleiten. Und die erneute Einsetzung des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung (PBNE) im Deutschen Bundestag können wir auch nur begrüßen.