Von Dr. Thomas Beyerle, Vorsitzender des ZIA-Ausschusses Transparenz & Benchmarking und Managing Director bei Catella Property Valuation GmbH

Bei der zeitlichen Betrachtung der Nachhaltigkeitsentwicklung wurden bisher drei Etappen zurückgelegt. Begonnen hat es Mitte der letzten Dekade mit der zunächst eher akademisch geprägten Diskussion und der grundsätzlichen Informationsaufbereitung zum Thema Nachhaltigkeit. Im Ergebnis brachte dies die Darstellung und die Umsetzung des Drei-Säulen-Modells – also der sozialen, ökologischen und ökonomischen Perspektive – mit sich. In der zweiten Phase ab 2010, die sehr operativ auf Objektebene geprägt war, folgte die eingehende Auseinandersetzung mit dem Thema Neubauten (Green Buildings) und den entsprechenden Zertifizierungen nach DGNB, LEED und BREEAM. Zu diesem Zeitpunkt fanden die ersten Richtlinien – auch vom ZIA in Form der Definition der Nachhaltigkeitsberichterstattung oder sogenannter Green Leases – ihren Einzug und ihre zunehmende Dynamik. Im Jahr 2018 wiederum liegt der Fokus immer stärker auf dem sogenannten Reporting, also der nachvollziehbaren Dokumentation von der Unternehmens- und Objektebene.

Man mag zumindest nach meiner Einschätzung gleichwohl den Eindruck gewinnen, dass sich weiterhin nur eine Avantgarde dieser Thematik umfänglich annimmt, der Rest der Teilnehmer fokussiert sich auf die sogenannten „quick wins“ und pickt sich – oftmals auch aufgrund reinen Umsetzungsherausforderungen – das kurzfristig Machbare heraus. Aus ökonomischer Sicht ist dies sicherlich nicht zwingend zu kritisieren. Der Grund hierfür liegt in einer typischen Gemengelage eines insgesamt dynamischen Wachstumsmarktes – im achten Jahr der Hausse an den Immobilienmärkte gerät der Faktor Nachhaltigkeit auf der Objektebene schnell ins Hintertreffen beziehungsweise verlagert sich stark auf den Bereich Governance/Social. Die Diskussionen um Co-Working, Teilzeitarbeit und Diversity – dem Kern nach der sozialen Säule der CSR-Bewegung zuzuordnen – haben sich fast schon verselbständigt und bilden ihre eigene Sparte. „Zu schnell gewachsen“ mag hierfür eine Floskel sein. Denn damit wird verdeckt, dass der ultimative ökonomische Beweis, also die Dokumentation messbarer ökonomischer Vorteile für Investoren, Nutzer, Finanzierer, noch nicht zwingend erbracht wurde. Mehr noch: die sehr vielen, gut gemeinten Einzelmaßnahmen, ergeben noch immer nicht ein umfassendes Bild. Zwar dämmt Deutschland, Fuhrparks werden auf Elektromobilität umgestellt und etliche Diversity-Maßnahmen werden ergriffen. Doch bei all diesen in der Summe richtigen Maßnahmen gleicht die Dokumentation des Erfolgs eher einem bunten Strauß an insgesamt positiven Ergebnissen.

Es mag sein, dass der Druck mittlerweile aus dem zweiten großen Megatrend unserer Dekade auf das Thema Nachhaltigkeit wirkt: Digitalisierung inklusive Datenverfügbarkeit. Die Weiterentwicklung zum sogenannten „integrierten Reporting“ wird – Dank des Einsatzes des ZIA – intensiver diskutiert. Vereinfacht ausgedrückt: es geht um die einheitliche Erfassung und die Integration von Key Performance Indicators (KPI) im Bereich von Nachhaltigkeit in den Geschäftszahlen. Ohne Zahlen, kein Reporting. Ohne Reporting, keine operative Steuerung und damit kein quantifizierbarer ökonomischer Erfolg und kein Entkommen aus der reinen Nachhaltigkeitsecke. Erst dann werden mehr „Grüne Immobilienfonds“ aufgelegt, erst dann werden CO2-Emissionen durch Gebäude und ihre Nutzer endlich eingepreist und der „smarte Stadtumbau“ hätte eine verbindliche zahlenbasierte Blaupause des Handelns. Klingt einfach? Nein, aber ein Mehr an mehr Reporting fördert die „Ökonomie“ in der CSR-Welt und wird sich in der Summe für alle rechnen.