Von Carolina Welter und Sven Wingerter, Eurocres Consulting GmbH

Megatrend Gesundheit: Wie gesund sind unsere Arbeitswelten? Und was macht ein gesundes Arbeitsplatzkonzept aus?

Gesundheit wird längst nicht mehr nur mit Krankheit assoziiert. Es ist ein Megatrend, der einen immer größeren Bestandteil sowohl in unserem Privat – als auch Arbeitsleben einnimmt. Das Bewusstsein für einen gesunden Lebensstil ist längst geschärft. Im privaten Bereich liegt die Verantwortung bei jedem selbst, aber wie sieht es in der Arbeitswelt aus? Welche Bedeutung und Auswirkungen hat der Megatrend Gesundheit auf Arbeitswelten und was bedeutet es für Arbeitgeber? Wie „gesund“ sind unsere Arbeitswelten überhaupt? Was macht ein gesundes Arbeitsplatzkonzept aus?

Wissenschaftliche Studien belegen, dass eine der größten gesundheitlichen Gefahren von zu langem Sitzen in heutigen Arbeitswelten ausgeht. Diese sind größtenteils noch so konzipiert, so wenig körperliche Aktivität und Bewegung wie nur möglich zuzulassen und investieren damit eher in die Krankheit der Mitarbeiter. Der menschliche Körper ist nicht auf langes Verharren in monotonen und starren Körperhaltungen ausgelegt, sondern auf Aktivität und Bewegung. In der Konsequenz sind Muskel- und Skeletterkrankungen eine immer häufigere Ursache für Krankheitsfehltage. Aber auch andere Krankheitsbilder, wie Atemwegs- und psychische Erkrankungen steigen an – nicht zuletzt auch durch die stetig zunehmende Büroarbeit und Digitalisierung in den letzten Jahren. Rechnet man die Diagnosen nach Fehltagen zusammen, sind ca. 50 Prozent der Krankheitsbilder auf arbeitsplatzrelevante Faktoren zurückzuführen.

Der durchschnittliche Büromitarbeiter verbringt 80 bis 85 Prozent seiner Arbeitszeit im Sitzen oder anders ausgedrückt, er sitzt im Durchschnitt über 55.000 Stunden seines  Lebens im Büro. Bei einem durchschnittlichen Arbeitstag von acht Stunden sind das ca. 6,8 Stunden. Wird die Zeit vor und nach der Arbeit, in denen der Mensch im Auto, auf dem Sofa oder beim Essen verbringt, hinzugerechnet, sitzt ein durchschnittlicher Mensch pro Tag mehr als acht Stunden. Bereits mehr als sechs Stunden tägliches Sitzen kann die Lebenserwartung um zwei Jahre reduzieren. Die negativen Folgen sind selbst durch regelmäßige sportliche Betätigung nicht auszugleichen. Die Folgen des zu vielen Sitzens werden in den jährlichen Reports der Krankenkassen deutlich: die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage steigt aufgrund von Rückenbeschwerden kontinuierlich an, zuletzt auf ca. 3,5 Fehltage je Versicherter.

Bereits seit 2004 empfiehlt daher die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) den Anteil an sitzenden Tätigkeiten um mindestens 35 Prozentpunkte auf 50 Prozent zu reduzieren. Allerdings fehlt in vielen Arbeitswelten heutzutage eine intelligente und gesundheitsfördernde Infrastruktur, die eine Arbeitsumgebung mit mehr Bewegung und weniger Sitzen ermöglicht. Beispielsweise sind höhenverstellbare Tische noch lange kein Standard, ganz im Gegenteil. Oft gibt es diesen erst nach Vorlage eines ärztlichen Attestes, dann kann es schon zu spät sein. Aber selbst allein ein höhenverstellbarer Tisch reicht nicht aus, um unser Sitzverhalten nachhaltig zu verändern. Fitnessangebote während und am Rande der Arbeitszeit unterstützen zwar die Gesundheit und ggf. auch die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern, aber eine Veränderung an dem Sitzverhalten findet nicht nachhaltig statt. Ein Umdenken und Durchbrechen von eingespielten Verhaltensmustern ist nötig. Dafür ist ein ganzheitliches verhältnispräventives Arbeitsplatzkonzept erforderlich, ein Active-Office®-Konzept, welches Bewegung in den Arbeitsalltag der Mitarbeiter integriert. Das Konzept sollte alle Mitarbeiter gleichermaßen erreichen und nicht nur punktuell diejenigen, bei denen das Bewusstsein für mehr Gesundheit ohnehin schon vorhanden ist.

ActiveOffice® integriert als übergeordnetes Planungskonzept in bestehende oder auch neu zu entwickelnde Arbeitswelten selbstanimierende Bewegungsangebote in Gebäude, Grundrisse und bestehende Büroabläufe. Damit werden alle Mitarbeiter erreicht. Physischen und psychischen Krankheitsbildern wird vorgebeugt ohne einen zusätzlichen räumlichen und zeitlichen Mehraufwand für jeden einzelnen Mitarbeiter. Der Mitarbeiter nutzt die Angebote je nach anliegender Aufgabe, die zu erledigen ist. Z.B. kann eine kurze aktive Besprechung mit Kollegen an einem informellen Stehtresen abgehalten werden. Fällt im Anschluss fokussierte Arbeit an, kann diese in einem geschlossenen Rückzugsraum erfolgen. Größere, etwas längere Besprechungen können in einem anderen Raum, der  Sitz- und Stehmöglichkeiten anbietet, abgehalten werden. Mit den unterschiedlichen Arbeitsplatzangeboten ist der Mitarbeiter angehalten, je nach Aufgabe den für sich in diesem Moment geeigneten Ort aufzusuchen. Indem er sich von A nach B bewegt, nimmt er einen aktiven Haltungswechsel vor. Weitere Bewegungsangebote, die nicht nur vom Sitzen zum Stehen anregen, sondern auch z.B. durch das Springen über einen fiktiven „Wassergraben“ mit Sensormatte und Sprungzähler auf dem Flur auf dem Weg zur Kantine, aktivieren minimale Bewegungen und lösen muskuläre Mikroimpulse aus. Auch die aktive Nutzung von Treppenhäusern, oder die Möglichkeit im Vorbeigehen in ein Wandschlagpolster zu schlagen, stellen eine kleine, aber sehr effektive Muskelaktivierung dar.

Es reicht aber nicht nur ein gesundes ActiveOffice®-Arbeitsplatzkonzept aus, welches prophylaktisch wirkende Bewegungsangebote in vorhandene Infrastrukturen integriert. Die gesamte Umsetzung sollte von einem ganzheitlichen Change-Management-Prozess flankiert werden. Dieser muss durch eine entsprechende Unternehmenskultur, die aktiv vom Management vorgelebt und gefördert wird, begleitet werden. Alle Mitarbeiter und Führungsebenen müssen gleichermaßen für die Entwicklung einer gemeinsamen Gesundheitskultur abgeholt werden. Denn nur so kann ein neuer Gesundheitsstandard für zukünftige Arbeitswelten entstehen, der Aktivität und Bewegung fördert, Produktivität steigert, Mitarbeitermotivation erhöht und mittelfristig Krankheitsfehltage und damit Kosten senkt.

Der Megatrend Gesundheit ist auch im War for Talents für Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Die Implementierung eines gesunden Arbeitsplatzkonzeptes ist eines der stärksten Argumente und Tools, die Unternehmen, die sich um die besten Köpfe bewerben, einsetzen können. Einmal, um sie für sich zu gewinnen und zu motivieren, aber noch viel wichtiger, um sie langfristig zu binden. So bleiben Unternehmen mittel- bis langfristig wirtschaftlich profitabel, denn gesunde Mitarbeiter sind eine der wichtigsten Ressourcen der Unternehmen.

Dieser Beitrag stammt aus der ZIA-Broschüre: Innovative Bürokonzepte – Vom Kostenblock zum Innovationstreiber