Von Sven Bietau, CSMM GmbH

Das Büro der Zukunft ist „Hub & Home“ zugleich; denn es entwickelt sich immer mehr von der reinen Arbeitsstätte hin zum sozialen Knotenpunkt und zur Unternehmensheimat. Durch die Digitalisierung und den Wunsch des Einzelnen nach Selbstbestimmung dient das Büro immer weniger als Ort für die Abarbeitung von Sachaufgaben, sondern als „Hub“: das Büro als Dreh- und Angelpunkt, an dem die Mitarbeiter zusammenkommen, um kreativ zu sein und gemeinsam Ideen zu entwickeln. Zugleich soll dieser Ort auch ein „Home“ sein, wo sie sich wohlfühlen, bei Bedarf auch zurückziehen können – und auf das sie stolz sind; denn bei aller Individualisierung der Arbeit rückt das Büro zunehmend als emotionales Bindemittel zum Unternehmen und Wissensvermittler in den Fokus.

Da die Nutzung den wirtschaftlichen Charakter einer Immobilie stärker beeinflusst als ihre Herstellung, lassen sich die richtigen Immobilienentscheidungen nur dann treffen, wenn man die (Büro-)Flächen nicht isoliert betrachtet, sondern sie im Zusammenhang mit den Zielen, dem Kerngeschäft und den Menschen – Führungskräften wie Mitarbeitern – der Unternehmen sieht.

Der Mensch
Die Arbeitsumgebung soll gesund sein, Wohlbefinden wie Produktivität steigern und zudem Identifikation stiften. Mittlerweile wird das Arbeitsumfeld gezielt als Teil des Vergütungspakets eingesetzt, um Talente zu gewinnen. Im zunehmenden „War for Talents“ rücken laut der aktuellen „Office 21“-Studie des Fraunhofer Instituts die Arbeitsumgebung und -ausstattung sogar auf Platz eins der Anreizkriterien bei der Jobauswahl – vor finanzielle Anreize und Boni.

Dabei sind sich Firmenlenker und Entscheider einig, dass der einzelne Mitarbeiter die zentrale Stelle in der Wertschöpfung eines jeden Unternehmens ist. Und vergleichsweise geringfügige Investitionen in die Arbeitsbedingungen wirken sich überproportional auf die Produktivität des Personals aus. Beispielsweise machen Raumkosten in Dienstleistungsunternehmen im Schnitt nur etwa acht Prozent der Ausgaben aus, zwölf Prozent die Sachkosten und 80 Prozent das Personal. Entsprechend groß ist der Hebel, die Produktivität der Mitarbeiter zu steigern, indem man die Qualität des Arbeitsortes, der Büroflächen und der Atmosphäre verbessert; denn Arbeitsphilosophie und Bürokultur fördern einander. Der Lebensstil der durch die Digitalisierung geprägten heranwachsenden Arbeitnehmergeneration unterliegt nicht mehr der klassischen Trennschärfe zwischen Privatem und Arbeit. Sie tätigt während der Arbeitszeit Online-Einkäufe oder verabredet sich mit Freunden; dafür liest sie am Abend noch Büro-E-Mails und stellt Dringliches fertig. Diese fließenden Übergänge spiegeln sich in einer hybridisierten Bürotypologie wieder: Das Working-Hub bietet Living-Qualitäten eines Homes und umgekehrt. Mobile Endgeräte erweitern den Arbeitsradius. Der Schreibtisch ist neben Mitarbeiterlounge, Teeküche, Denkerzellen nur noch ein möglicher Arbeitsort. Bei aller Unabhängigkeit durch die Digitalisierung, suchen Menschen auch Stabilität. In einem fürsorgenden Sinne kann das Büro als Home Gegenentwurf zu den Unwägbarkeiten der Welt sein.

Das Büro
Da sich die Anforderungen wie Möglichkeiten der Arbeitswelt verändert haben, gestalten vorausschauende Unternehmer das Büro zunehmend als „Hub & Home“. Aber nur durch eine gute Planung und Umsetzung lässt sich das Potenzial der Bürowelt entfalten, nämlich die geistige Freiheit der Mitarbeiter zu unterstützen und damit die Wertschöpfung eines jeden Unternehmens zu erhöhen. Sie braucht Kollaborationsflächen, an denen die Angestellten mit anderen zusammenkommen können, Rückzugsorte, in denen sie nachdenken und konzentriert arbeiten können und eine Möblierung, die Raum für Kreativität und Entspannung, ergonomisches Arbeiten und Wohlfühlen zulässt. Darüber hinaus verändert sich die technische Ausstattung, insbesondere mobile Endgeräte und cloudbasiertes Arbeiten: So lassen sich flexible Strukturen schaffen, zugleich Ablageflächen reduzieren und der gesellschaftliche Wandel in die Bürokultur integrieren. Wenn wir erreichen wollen, dass die Belegschaft das Büro nicht nur als Hub, sondern auch als Home empfindet, ist der kulturelle Wandel zu moderieren. Falls das neue Büro für die Mitarbeiter große Veränderungen mit sich bringt, müssen sie frühzeitig in den Change-Prozess einbezogen werden; denn jeder Angestellte ist ein Mensch mit Bedürfnissen, Gewohnheiten und Angst vor Veränderung.  Daher sollte sich die Herangehensweise der Berater und Architekten vom herkömmlichen Prozess „Raumprogramm – Belegungsplanung – Umsetzung“ unterscheiden: Die Fragestellung setzt tiefer in der Struktur der Arbeitswelt an – bei der Frage nach Arbeitsprozessen und ihren Optimierungspotenzialen, den zu vermittelnden Werten des Unternehmens, der Kommunikations- und Führungskultur; aus den Antworten auf diese Fragen wird schließlich das passende Bürokonzept entwickelt.

Der Nutzer
Dank neuer Vertriebsmodelle kann die zukünftige Bürofläche dem Nutzer ermöglichen, Ideen zu entwickeln, die sein Kerngeschäft fördern, und sie frühzeitig in die Gebäudeplanung einzubringen. Die Praxis zeigt, dass es für den Mieter einen enormen Mehrwert darstellt, wenn die Bereitstellung der Bürofläche mit der Realisierung einer maßgeschneiderten Arbeitswelt verbunden wird. Ziel ist es, den Nutzer zu inspirieren, die Möglichkeiten der Räume als Katalysator kennenzulernen, seine Visionen und Ziele zu verwirklichen.

Das Gebäude
Durch die ernsthafte planerische Auseinandersetzung mit den Anforderungen und Bedürfnissen der künftigen Nutzer entsteht das erfolgreiche Gebäude. Das tiefgreifende Verständnis für aktuelle und zukünftige Arbeitswelten von Unternehmen, und wie sich diese räumlich sowie technisch auf das Gebäude auswirken, liegen einer nutzerzentrierten Immobilienentwicklung zugrunde. Die Ziele des jeweiligen Unternehmens schaffen die architektonischen und planerischen Rahmenbedingungen für die Liegenschaft.

Unsere Aufgabe
Dazu bilden Architekten und Berater unterschiedliche mögliche Organisationsformen im Grundriss ab, indem sie verschiedene Entwicklungsszenarien eines Unternehmens durchspielen: Wie könnte sich dessen Größe verändern, wie die Kommunikationswege und Arbeitsabläufe – und wie kann der Raum dann unkompliziert auf neue Anforderungen eingestellt werden? Modulare Systeme und offen strukturierte Räume beispielsweise ermöglichen Flexibilität für Veränderung.  Zunehmend mehr potenzielle Nutzer erwarten nachhaltige, umweltfreundliche Konzepte über den ganzen Gebäudezyklus hinweg – zum einen, weil sie sinnvoll sind, zum anderen auch für das Image gegenüber Kunden oder Arbeitskräften, die eine zukunftsorientierte Innovationsbereitschaft verlangen. Zumal sich die Investitionen über die Einsparung von Energie sowie die Gesundheit der Angestellten mittelfristig amortisieren. Unser Interesse ist es, Impulse zu geben und Prozesse anzustoßen, die die Arbeitswelt verbessern.

Dieser Beitrag stammt aus der ZIA-Broschüre: Innovative Bürokonzepte – Vom Kostenblock zum Innovationstreiber