Von Prof. Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie e.V.

Der Gebäudesektor ist einer der wichtigsten Wirtschaftsbereiche, wenn es darum geht, die klimaschutzpolitischen Ziele der Bundesregierung und die ehrgeizigen Ziele unserer Gesellschaft zu erreichen. Bei der Erfüllung der Auflagen und der Definition weiterer Etappen arbeiten der BDI als Stimme der gesamten deutschen Industrie und der ZIA Hand in Hand. Gemeinsam formulieren wir Vorschläge zur Verbesserung der Ökobilanz im Gebäudesektor und entwickeln neue Handlungsoptionen für den Klimaschutz.

Im Dezember 2015 fanden sich die Vereinten Nationen in Paris zur 21. UN-Klimakonferenz zusammen. Das dort beschlossene Klimaabkommen wurde in Deutschland mit Maßnahmen hinterlegt, die unter dem Namen Klimaschutzplan 2050 zahlreiche Auflagen für sämtliche Wirtschaftssektoren in Deutschland formulieren.

Auch im Bundesverband der Deutschen Industrie haben wir das Thema Klimaschutz längst auf unserer Agenda. Der BDI unterstützt anspruchsvolle Zielsetzungen für den Schutz des Klimas und zur Steigerung der Energieeffizienz. Maßgaben für mehr Klimaschutz sind für den BDI stets Technologieoffenheit, technologische Machbarkeit und marktwirtschaftliche Lösungen. Ein Zurückfallen in rein nationale Lösungen oder gar eine Regionalisierung der Klimapolitik lehnen wir ab.

Wichtige Rolle des Gebäudesektors

In der Immobilienwirtschaft ist das Thema Klimaschutz keineswegs neu. Seit 1990 konnte der CO2-Ausstoß im Gebäudesektor um rund 43 Prozent reduziert werden. Die stetig gewachsenen energetischen Auflagen an das Bauen und Betreiben von Immobilien sowie die Eigeninitiative der Branche haben dafür gesorgt, dass der Trend hin zu ambitionierter Energieeffizienz in der Immobilienwirtschaft seit vielen Jahren anhält. Dennoch entfallen nach wie vor mehr als 40 Prozent des Primärenergieverbrauchs und über 30 Prozent des CO2-Ausstoßes in Deutschland auf den Gebäudesektor. Ohne eine deutlich stärkere Mobilisierung der Einsparpotenziale bei Gebäuden wird Deutschland daher seine Ziele beim Großprojekt Energiewende und seine Klimaschutzziele verfehlen.

Jedoch wandelt der Gesetzgeber auf einem schmalen Grat, wenn er neue Auflagen entwickelt und bestehende weiterentwickelt: Dies hat unmittelbare Auswirkung auf die Wirtschaftlichkeit. Schließlich ist Bezahlbarkeit eines der wichtigsten Ziele der Immobilienwirtschaft und ihrer Kunden.

Übergreifende Zusammenarbeit in der BDI-Initiative „Energieeffiziente Gebäude“

BDI und ZIA arbeiten eng zusammen. Diese Kooperation haben wir in den vergangenen Jahren immer weiter intensiviert. So ist der ZIA unter anderem Mitglied in der BDI-Initiative „Energieeffiziente Gebäude“. Diese Initiative ist eine einzigartige gewerke- und branchenübergreifende Institution, die das Thema der Gebäudesanierung im Namen der gesamten deutschen Wirtschaft vorantreibt. In dieser BDI-Initiative vertreten wir konsequent den Grundsatz der Technologieoffenheit und halten Lösungen, die jedes Gebäude als System betrachten, für die  richtige Herangehensweise, um den deutschen und europäischen Gebäudebestand nachhaltig energetisch zu verbessern. Es ist das größte Netzwerk dieser Art in Deutschland.

Ein wichtiger Meilenstein der Arbeit der BDI-Initiative im Bundestagswahljahr ist der „Zehn-Punkte-Plan für mehr Energieeffizienz bei Gebäuden“. Die nächste Legislaturperiode muss die neue Regierung nutzen, um dringend benötigte Impulse zu setzen, bestehende Hemmnisse abzubauen und technologieoffene Weichenstellungen vorzunehmen. Dafür sieht der BDI zehn Punkte vor:

  • Gesamtkonzept entwickeln
  • zusätzliche Impulse setzen
  • Ordnungsrecht vereinfachen und Umsetzung voranbringen
  • Efficiency-First-Ansatz und Ausrichtung auf Nachhaltigkeit bei Gebäudeenergieeffizienz stärken
  • überzeugendes Energieberatungssystem etablieren
  • effiziente Sektorkopplung ermöglichen
  • Chancen durch Digitalisierung nutzen
  • öffentliche Gebäude in Vorbildrolle bringen
  • Weichen für Quartierssanierungen stellen
  • Ersatzneubau mit energetischen Sanierungen gleichstellen

Die gebündelte Sicht der Eigentümer und Investoren sowie der Technologieanbieter in Verbindung mit den Positionen des produzierenden Sektors verschafft uns eine starke Position im Dialog mit der Politik. Damit finden Themen wie Technologieoffenheit und Wirtschaftlichkeit des Bauens und Wohnens in der Politik Gehör – etwa bei der Novellierung des Energieeinsparrechts oder der geplanten Definition des Niedrigstenergiegebäude- Standards. Besonders im Wahlkampfjahr 2017 wird das entscheidend sein. Schließlich haben die großen Parteien etliche klimaschutzpolitische Vorschläge auf der Agenda.

Das zeigte vor allem die geplante Einführung des Gebäude- Energie-Gesetzes. Das Gesetz sollte vorrangig Energieeinspargesetz/ Energieeinsparverordnung und Erneuerbare-Energien- Wärme-Gesetz zusammenführen – und so eine langjährige Forderung der Industrie umsetzen. Das Bundeswirtschaftsund Bundesumweltministerium wollten jedoch im Rahmen dieses Gesetzes auch den Niedrigstenergiegebäude-Standard definieren, zumindest für öffentliche Gebäude. Der vorgesehene KfW 55-Standard hätte das Anforderungsniveau deutlich angehoben – und damit auch für private Gebäude einen Schritt vorgezeichnet, der private Bauherren überfordert hätte. Zu der Frage des Gebäudestandards wurde keine Einigung zwischen den Koalitionsfraktionen erzielt, das Gesetzesvorhaben wurde auf die nächste Legislaturperiode verschoben.

Nun liegt es an der nächsten Bundesregierung, einen wichtigen Impuls für mehr Energieeffizienz im Gebäudesektor durch einen einfacheren Rechtsrahmen zu setzen. Der BDI und der ZIA engagieren sich mit gemeinsamer Stimme im Dialog mit der Politik und arbeiten bei vielen wichtigen Themen zusammen. Sie entwickeln beispielsweise gemeinsam die energiepolitische Positionierung des BDI. Weitere Beispiele sind der Umgang mit dem politisch verursachten Entsorgungsproblem rund um HBCD-haltige Dämmstoffabfälle sowie das BDI-Studienprojekt „Klimapfade Industrie“, an dem sich der ZIA beteiligt.

Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit dem ZIA und der gesamten deutschen Immobilienwirtschaft – beim Thema Gebäudeenergieeffizienz und darüber hinaus.

Prof. Dieter Kempf ist Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie e.V.

(Dieser Beitrag stammt aus dem ZIA-Geschäftsbericht 2017)