Dr. Tanja Rückert (SAP SE)

ZIA und SAP – Eine strategische Partnerschaft für die Neuausrichtung der deutschen Immobilienbranche im digitalen Wandel

SAP hat eine unerschrockene Mission: „Rethink Real Estate Management“ – Beim  Neudenken von traditionellen Mustern stellt die Verknüpfung von Informationen in  Echtzeit über Nutzer, Dienstleister, Immobilien und ihrer umgebenden Infrastruktur die  Grundlage für den Wandel dar.

Neue Technologien wie das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT), Blockchain und künstliche Intelligenz eröffnen der Immobilienbranche neue Möglichkeiten: Anlagen, Gebäude und Infrastruktur werden schon bald als digitale Zwillinge zur Verfügung stehen und bestehende Prozesse und Geschäftsmodelle revolutionieren. Die  Immobilienwirtschaft befindet sich, wie viele andere Branchen auch, in einem digitalen  Umbruch. Der Zugang zu Technologie ist heute einfach und erschwinglich. Innovationen erscheinen in vielen Bereichen schneller umsetzbar als vor einigen Jahren. Selbst junge  Unternehmer entdecken zunehmend das Innovationspotenzial und starten mit neuartigen Ansätzen als „PropTech“ Unternehmen durch. Digitalisierung beschreibt nicht nur den Einsatz von IT in Geschäftsprozessen – dies macht die Branche bereits seit  Jahrzehnten – vielmehr geht es um Innovation, um neue Geschäftsmodelle und um  unsere urbane Zukunft.

Innovationen für die Immobilienwirtschaft seit mehr als 20 Jahren

Als Marktführer von Unternehmenssoftware steht SAP im Mittelpunkt der aktuellen  Technologierevolution. SAP Innovationen sollen nicht nur Kunden helfen,  Geschäftsabläufe zu optimieren, sondern auch das Leben von Menschen auf der ganzen Welt verbessern. SAP ist im Bereich Unternehmensanwendungen weltweit der  umsatzstärkste Anbieter von Software und Softwareservices und gemessen an der Marktkapitalisierung der weltweit drittgrößte unabhängige Softwarehersteller. Für SAP  bedeutet Innovation mehr als nur die Entwicklung neuer Software – seit 45 Jahren geht es um die Entwicklung bahnbrechender Technologien, die in der IT- und Geschäftswelt neue Maßstäbe setzen, wie unsere richtungsweisende ERP-Software und die In-Memory-Computing-Plattform SAP HANA. Innovationen von SAP ermöglichen 345.000 Kunden weltweit eine effiziente Zusammenarbeit und die zielführende Nutzung geschäftlicher Erkenntnisse. SAP verbindet aktuell mehr als 2,4 Millionen Firmen in 190 Ländern über das SAP Ariba Network, dem weltweit größten Business-to-Business-Netzwerk.

Seit mehr als 20 Jahren profitieren Immobilienunternehmen verschiedener  Organisationsgrößen und Branchensegmente (Wohnungswirtschaft, Investment,  Unternehmensimmobilien) bereits von SAP Lösungen. Zu den SAP Kunden in der  Immobilienwirtschaft zählen unter anderem sowohl die größten deutschen Konzerne als auch Non-Profit-Organisationen. Mit Immobilienlösungen von SAP und erweiterbaren  Applikationen erreichen unsere Anwender die gewünschte Vereinfachung und erzielen einen Durchbruch bei der Erfüllung vieler, bisher nicht bewältigter Herausforderungen.

Digitalisierung und Immobilien

In einer Studie zur Digitalisierung der Immobilienbranche von ZIA und EY aus dem vergangenen Jahr bestätigten 90 Prozent der Befragten, dass die “Digitalisierung“ eine hohe Priorität in ihren Betrieben habe. Datenstrukturierung und Big Data waren hierbei die meistgenannten Fokusthemen, unter anderem folgten mobile Endgeräte, Plattformen, Cloud, Künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge oder Augmented  Reality. Mit den passenden Technologien können die Bedürfnisse unserer modernen Arbeitswelt erfüllt und durch neugewonnene Einblicke innovative Ideen geschaffen werden. So können 3D-Visualisierungen der Innenräume ein realistisches Modell bieten, das vor dem Bau zu schnellerer Problemevaluierung für Architekten und Planer führt und in dem essenzielle Komponenten wie Licht und Platz getestet werden können. Auch durch Künstliche Intelligenz kann Zeit und manuelle Arbeit gespart werden. Ein Anwendungsfall ist hierfür beispielsweise die Identifikation und Extrahierung von Daten aus Dokumenten wie etwa Leasing- und Mietverträgen. Vorteile liegen im optimierten Datenmanagement, einer effizienteren Verarbeitung von Dokumentationen und reduzierten Risiken. Ebenso liefert das Building Information Modeling (BIM) Verfahren wertvolle Ansätze zur Schaffung von einheitlichen Datenstrukturen. BIM trägt zu einem ganzheitlichen Überblick der Immobilie bei, indem Informationen zu Planung,  Konstruktion, Ausführung sowie Verwaltung von Gebäuden über den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie abgebildet und verfolgt werden können. Sensible Informationen könnten im Anschluss so sicher wie nie zuvor als digitaler Zwilling in der Blockchain gespeichert werden und der Zugang zu konsistenten Daten wäre für autorisierte Parteien garantiert.

Die digitale Transformation von Unternehmen basiert jedoch nicht nur auf der reinen Technologie, sondern lebt von der Aufnahmebereitschaft des Konzepts einer digitalisierten Immobilie. Die digitale Transformation sollte daher nicht vorhandene Technologien, sondern den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Die Umsetzung der digitalen Transformation und der damit verbundenen Ansätze benötigt dringend  Offenheit und den Mut für Veränderung. Der Einsatz digitaler Technologien fordert auch traditionelle Denkmuster heraus, die mit dem richtigen Change Management hinterfragt und ergänzt werden können. Innovationsmethoden wie das Design Thinking oder der  Open Innovation Ansatz – ein Innovationsprozess, bei dem interne und externe Ideen gleichermaßen in die Entwicklung neuer Produkte, Dienstleistungen und  Geschäftsmodelle einfließen – identifizieren derweil aktualisierte Anwendungsfälle.

Erst mit der Bereitschaft die technologischen Grundlagen, die der digitale Wandel mit sich bringt, auch gekonnt einzusetzen und intelligent zu verknüpfen, kann die eigentliche Herausforderung der digitalen Transformation gemeistert werden. Technologie ist nicht länger nur Thema in den IT-Abteilungen von Unternehmen, sondern muss gleichsam von Nutzern wie Kommunen und Bürgern angenommen werden. Transformationsprozesse müssen neu geführt und herkömmliche Strukturen neugedacht werden.

Keine Smart City ohne Smart Buildings

Immobilien, Infrastruktur, Transport, Energie, Kommunikation und Netzwerke bilden die Basis für den Erfolg einer Stadt, die auf diesen Anlagen und Einrichtungen eine  urbane vernetzte Zivilisation aufbaut. Investitionen in Infrastruktur und deren Anbindungen sind in einer Zeit, in der mehr als 50 Prozent der weltweiten Bevölkerung in Städten wohnt und auf eine modernisierte Umwelt angewiesen sind, kritisch.  Schätzungen von EY zufolge werden bis zum Jahre 2050 zusätzliche 2,5 Milliarden Menschen in Städte ziehen, mit der Notwendigkeit 70 Billionen US-Dollar in Infrastruktur zu investieren.

Derartige gesellschaftliche Entwicklungen stellen Städte vor große Herausforderungen, die jedoch als Smart City gelöst werden können. Kommunen wird dadurch die  Möglichkeit eröffnet, vernetzt zu interagieren und zu handeln und den Alltag für Bürger und Unternehmen zu optimieren. Das international tätige Marktforschungs- und Beratungsunternehmen IDC geht davon aus, dass bis 2019 40 Prozent der lokalen und regionalen Regierungen das Internet der Dinge dazu nutzen werden. Barcelona ist in dieser Hinsicht ein vielzitierter Spitzenreiter und nutzt laut der Universität Harvard bereits heute schon das Internet der Dinge, um urbane Systeme und Dienstleistungen für Bürger zu optimieren. Bisher gelang es der Stadt jährlich 95 Millionen US-Dollar durch reduzierten Wasser- und Stromverbrauch einzusparen, die jährlichen Einnahmen von Parkgebühren um 50 Millionen US-Dollar zu steigern und 47 000 neue Arbeitsplätze zu schaffen.

SAP Leonardo IoT Innovationsportfolio

Auch SAP wird mit einem hauseigenen IoT-Portfolio dazu beitragen, die urbane Sicherheit, Nachhaltigkeit und Ertragsfähigkeit durch vernetzte Städte zu steigern. SAP Leonardo IoT bündelt Big-Data-Anwendungen und Konnektivität zu einem  geschäftsbereichsübergreifenden Paketangebot mit Anwendungsszenarien für vernetzte Produkte, Anlagen und Infrastruktur bis hin zu Fahrzeugflotten, Märkten und Personen. Durch das Neudenken von traditionellen Mustern in der Stadt und der Verknüpfung von Informationen in Echtzeit werden sowohl das Nutzerverhalten als auch die umgebende Infrastruktur für Immobilien nachhaltig verändert. Eine synchrone Entwicklung wird somit auch für die Immobilienwirtschaft unausweichlich bleiben.

Die Intelligenz von Gebäuden spielt in der Stadt der Zukunft dabei eine bedeutende  Rolle. Durch die Nutzung von digitalen Abbildern der Realität, so genannten digitalen Zwillingen, lassen sich Gebäude optimal auf die Anforderungen der Nutzer und  Umgebung anpassen. Durch ein auf Daten basiertes Management der Objekte lassen sich Effizienz als auch der individuelle Nutzungskomfort steigern. Vorausschauende und vernetzte Systeme werden zum Beispiel die Anfahrt ins Büro, die Parkplatzsuche,  Termine sowie Sitzungsräume und Arbeitsplätze intelligent steuern.

Die Grundlage solch neuer digitaler Prozesse und Geschäftsmodelle bildet ein solides Fundament, einen „Digitalen Kern“, um welchen neue Prozesse und Geschäftspartner eingebunden werden können. An diesem Punkt setzt SAP als einer der erfahrenen Schlüsselfiguren in der Bereitstellung von Technologien an, um Smart Buildings und somit auch die Smart City zu optimieren.

Partnerschaft für die digitale Transformation

ZIA und SAP verstehen sich als Innovationspartner und Impulsgeber für die Immobilienwirtschaft. Mit einer „Systempartnerschaft“ zwischen ZIA und SAP soll die Umsetzung digitaler Strategien in der deutschen Immobilienwirtschaft unterstützt werden. SAP steht als Technologiepartner mit der Bereitstellung von Know How in Bereichen wie Cloud, Blockchain oder Machine Learning an der Seite des Dachverbands. Die Systempartnerschaft beinhaltet sowohl den Austausch zu den neuesten technologischen Trends und Herausforderungen wie auch die  unternehmensübergreifende Zusammenarbeit mit Partnern und Start-Ups in der Immobilienbranche.

Die Notwendigkeit von Konversationen und offenen Diskursen bleibt zwingend, um eine Grundlage für das wirtschaftliche Wachstum einer ganzen Branche und somit von  individuellenOrganisationen zu etablieren. Diverse Perspektiven sind essenziell  für eine erfolgreiche Aktivierung besserer Abläufe in unseren eigenen Betrieben, aber auch in denen unserer Kunden und um eine nachhaltige Innovationsführung zu betreiben.

In der neuen Systempartnerschaft richten sich ZIA und SAP daher darauf, aus Experten aus der Immobilienwirtschaft zusammenzubringen und über bestehende Netzwerke das Fundament für die digitale Transformation zu fördern, um unsere Industrie aufzurütteln und neue Märkte zu entwickeln, die zu einer nachhaltigen und modernen Gesellschaft  beitragen.

Dr. Tanja Rückert ist Executive Vice President und leitet die Line of Busin

(Dieser Beitrag stammt aus dem ZIA-Geschäftsbericht 2017)